Friedensnobelpreis in Oslo
Südafrikanische Juristin Pillay erhält den Friedensnobelpreis
Die südafrikanische Juristin Navanethem Pillay ist für ihren Einsatz zur Förderung von Frieden und Völkerrecht mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet worden.
71 Beiträge in der Diskussion 70 heute · 53 StimmenPillay erhält Friedensnobelpreis
Die südafrikanische Juristin Navanethem «Navi» Pillay erhält den Friedensnobelpreis 2026. Verliehen wurde er ihr «zur Förderung von Frieden und Völkerrecht».
Der Vorsitzende des Nobelkomitees, Jørgen Watne Frydnes, erklärte, Pillay habe «massgeblich dazu beigetragen, dass Kriegsverbrechen, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Völkermord strafrechtlich verfolgt werden».
Komitee lobt moralischen Kompass
Die Jury lobte Pillays Unabhängigkeit, ihren «aussergewöhnlichen Mut», ihre Integrität und ihren «festen moralischen Kompass».
Sie habe Regierungs- und Staatschefs zur Rechenschaft gezogen und Opfern von Gewalt und Konflikten Hoffnung gegeben.
In einer Zeit, in der internationales Recht unter enormem Druck stehe und seine Institutionen angegriffen werden, brauche es Menschen wie Pillay, so das Komitee.
Vom Apartheid-Kampf nach Den Haag
Pillay wurde 1941 in der südafrikanischen Stadt Durban geboren.
Sie kämpfte bereits als junge Anwältin gegen die Apartheid in Südafrika und machte später als internationale Spitzenjuristin Karriere.
Sie war Richterin am UN-Kriegsverbrechertribunal für Ruanda und am Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag sowie UN-Hochkommissarin für Menschenrechte.
Von 2008 bis 2014 amtierte sie als Hochkommissarin, von 2021 bis 2025 leitete sie die Unabhängige internationale Untersuchungskommission der UN zu den besetzten palästinensischen Gebieten.
Derzeit ist sie als Ad-hoc-Richterin am Internationalen Gerichtshof tätig.
Israel kritisiert Entscheidung scharf
Zuletzt leitete Pillay eine UN-Untersuchungskommission, die Israel 2025 Völkermord im Gazastreifen vorwarf.
Die Ehrung ist damit politisch brisant: US-Präsident Donald Trump und Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu haben sowohl die Arbeit der UN-Kommission zum Gazastreifen als auch internationale Gerichte infrage gestellt.
Das israelische Aussenministerium erklärte, die Auszeichnung Pillays sei keine Anerkennung von Gerechtigkeit, und griff die Entscheidung des Nobelkomitees scharf an.
UN sehen Signal für Menschenrechte
Die Vereinten Nationen werteten die Verleihung als starkes Signal im Kampf für Menschenrechte.
Diese Auszeichnung «unterstreicht die Notwendigkeit und den Wert der Menschenrechte – heute mehr denn je», sagte eine Sprecherin des UN-Hochkommissars für Menschenrechte in Genf.
Es sei zu hoffen, dass die Verleihung andere dazu ermutige, sich für den Schutz der Menschenrechte einzusetzen.
Überrascht in Nürnberg
Erreicht hatte die Nobelpreisjury die Preisträgerin vor der Verkündung nicht.
Pillay hielt sich zu dem Zeitpunkt bei einer Fachkonferenz zum Völkerstrafrecht in Nürnberg auf, dem Nuremberg Forum 2026. Sie befand sich im Saal 600 des Nürnberger Justizpalastes, in dem nach dem Zweiten Weltkrieg die Alliierten den Nazi-Kriegsverbrechern den Prozess machten.
Der Direktor des Nuremberg Forums, Christoph Safferling, habe sie aus einer Veranstaltung geholt und ihr gesagt, sie solle sich erst einmal setzen, beschrieb die 85-Jährige den Moment.
Die Auszeichnung nannte sie «völlig unerwartet» und eine «wunderbare Überraschung».
Pillay warnt vor Druck auf
Pillay widmete die Auszeichnung den Überlebenden internationaler Verbrechen und den Verteidigern des Völkerrechts.
Deren Mitgefühl und Mut sorgten dafür, dass Straflosigkeit nicht hingenommen werde.
«Wir leben in einer Zeit, in der internationales Recht und Menschenrechte unter erheblichem politischem Angriff stehen», sagte sie beim Nuremberg Forum.
Aus der DiskussionIsrael sieht sich immer als Opfer. Dieser Regierung fehlt jegliche Ethik und Respekt vom Leben.User #2833 38 mal zugestimmt Mitreden
287 Nominierte, auch Trump
Die Jury wählte den oder die Preisträger aus 287 Kandidatinnen und Kandidaten aus, die in diesem Jahr vorgeschlagen worden waren – 208 Personen und 79 Organisationen.
Auch US-Präsident Donald Trump soll wieder unter den Nominierten gewesen sein.
Im Vorjahr war der Preis an die venezolanische Oppositionsführerin María Corina Machado gegangen, die ihre Auszeichnung Trump widmete und ihm ihre Medaille schenkte.