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Wohnkrise in Spanien

Zehntausende erinnern an verstorbene Rentnerin in Spanien

Publiziert 27.09.2026, 00:26 Uhr Aktualisiert 08.10.2026, 22:32 Uhr

Die 87-jährige Maricarmen Abascal war zwei Wochen nach ihrer Zwangsräumung aus ihrer Madrider Wohnung im Spital gestorben und wurde zum Symbol des Kampfes für bezahlbaren Wohnraum.

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Zehntausende bei Gedenkmärschen

In Spanien haben Zehntausende Menschen an die aus ihrer Wohnung vertriebene und nur zwei Wochen später verstorbene 87-jährige Maricarmen Abascal erinnert.

In Madrid marschierten die Demonstranten am Abend von einem Protestcamp auf der Puerta del Sol zur einstigen Wohnung der Rentnerin im Stadtteil Retiro.

Gedenkmärsche gab es nicht nur in der Hauptstadt, sondern in vielen anderen Städten des Landes.

Die Polizei schätzte die Teilnehmerzahl allein in Madrid auf mindestens 20.000.

Kerzen und Parolen in Madrid

Die Menschen skandierten in Madrid unter anderem «Geier raus aus unseren Vierteln!» und «Wir alle sind Maricarmen!».

Die Teilnehmer zündeten auf dem Protestcamp und vor dem langjährigen Wohnhaus Kerzen an.

Andere legten Blumen nieder, hinterliessen schriftliche Beileidsbekundungen oder äusserten sich bestürzt und traurig vor TV-Kameras.

Ihr Tod macht sie für viele zu einer Märtyrerin.

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Abascal stirbt im Spital

Maricarmen Abascal starb am Mittwoch im Alter von 87 Jahren in einem Madrider Spital.

Das teilte die spanische Mietergewerkschaft mit.

Eine Todesursache wurde zunächst nicht bekannt gegeben.

Noch zwei Wochen zuvor war sie aus jener Wohnung im Stadtteil Retiro zwangsgeräumt worden, in der sie seit mehr als 70 Jahren gelebt hatte.

Unmittelbar nach ihrer Zwangsräumung war sie am 23. September ins Krankenhaus eingeliefert worden.

Räumung nach Gerichtsurteil

Abascal war 1956 mit ihren Eltern in die Wohnung eingezogen und hatte später den Mietvertrag übernommen.

Nachdem das Gebäude an ein Immobilienunternehmen verkauft worden war, sollte sie ausziehen, weil ihr alter Mietvertrag nicht mehr gültig sei.

Die neuen Eigentümer bekamen vor Gericht Recht.

Bilder ihrer Räumung sorgten in Spanien für Aufsehen: Abascal wurde am 23. September auf einer Trage aus dem Haus gebracht, während Hunderte Menschen vor dem Gebäude protestierten.

Aus der Diskussion
Schön, wie sich die Spanier für diese alte Frau eingesetzt haben!
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Einigung kam zu spät

Kurz vor ihrem Tod war eine Vereinbarung erzielt worden, die ihr die Rückkehr in die Wohnung ermöglicht hätte.

Laut einem Bericht von «El País» erreichten Vertreter Abascals eine Einigung mit dem Immobilienunternehmen, wonach sie unter neuen Mietbedingungen zurückkehren dürfe.

Ihre Miete hätte in etwa dem bisherigen Betrag entsprochen: rund 500 Euro für Miete, Nebenkosten und Hausgeld.

Zur Rückkehr kam es nicht mehr.

Landesweite Protestbewegung

Die Zwangsräumung der Rentnerin hatte eine landesweite Protestbewegung ausgelöst.

Bereits am Wochenende Ende September gingen in Madrid Zehntausende auf die Strasse, unter dem Motto «Ni una Maricarmen más» («Keine weitere Maricarmen»).

Das Innenministerium sprach damals von rund 25.000 Teilnehmern, die Veranstalter vom Mieterverband «Sindicato de Inquilinas» von 300.000. Am 3. Oktober gab es nach Angaben des Senders RTVE Proteste in mehr als 50 Städten.

Für den 11. November ist ein landesweiter Generalstreik für bezahlbares Wohnen angekündigt.

Dekrete scheitern, Sánchez setzt Neuwahlen

Nach der Zwangsräumung und den Protesten hatte die Regierung Ende September ein Massnahmenpaket gegen die Wohnungsnot beschlossen, darunter ein verlängerter Schutz vor Zwangsräumungen bis 2030, eine stärkere Regulierung von Zeitmietverträgen und ein Verbot des Erwerbs von Wohnungen durch «Geierfonds» bis 2028. Umstrittenster Punkt war die Einführung unbefristeter Mietverträge.

Am Freitag scheiterten die Regierungsdekrete für mehr Mieterschutz jedoch an der Mehrheit konservativer und rechtspopulistischer Parteien im Parlament.

Der linke Regierungschef Pedro Sánchez setzte deshalb am Montag Neuwahlen für den 29. November an.

Recherche Keystone-SDA 8 Quellen
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