ADHS-Diagnosen in Grossbritannien
Studie warnt vor verfrühten ADHS-Diagnosen bei Kindern
Eine von Grossbritanniens Regierung in Auftrag gegebene Untersuchung befasst sich mit möglichen Fehl- und Überdiagnosen von ADHS und Autismus bei Kindern.
7 Beiträge in der Diskussion 7 heute · 6 StimmenRegierung lässt Diagnosen untersuchen
Eine von Grossbritanniens Regierung in Auftrag gegebene Untersuchung warnt vor möglichen Fehl- und Überdiagnosen von ADHS und Autismus bei Kindern.
Laut dem Bericht könnten Schulen, Sozialsysteme und soziale Medien dazu beitragen, dass Diagnosen stärker nachgefragt werden.
Dies berichtet die «Daily Mail».
Zweifel an privaten Anbietern
Die Zahl der erfassten Autismusdiagnosen ist in den vergangenen Jahren stark gestiegen.
Zugleich findet der Bericht keine Belege für eine entsprechende Zunahme der tatsächlichen Häufigkeit.
Der klinische Psychologe Peter Fonagy äussert Zweifel an der Qualität mancher Untersuchungen privater Anbieter.
Diese führen inzwischen mehr als die Hälfte der vom NHS finanzierten ADHS-Abklärungen und rund ein Drittel der Autismus-Abklärungen durch.
Fonagy warnt, Fehl- und Überdiagnosen könnten zu unnötigen Behandlungen führen, andere Ursachen überdecken und die Erwartungen an Kinder senken.
Wessely sieht Folgen für Lebenswege
Der Bericht stellt zudem fest, dass Kinder mit einer ADHS-Diagnose vor dem 17. Lebensjahr im jungen Erwachsenenalter deutlich häufiger weder in Ausbildung noch in Beschäftigung sind.
Simon Wessely, stellvertretender Vorsitzender der Untersuchung, warnt, eine Diagnose könne «Türen schliessen» und Menschen stärker über ihre Schwierigkeiten als über ihre Stärken und Möglichkeiten definieren.
Aus der DiskussionLeider ist die Diagnose zu einer Art Modeerscheinung geworden. Eigentlich furchtbar ungerecht für Jene, Die wirklich betroffen sind.Luxy-1 8 mal zugestimmt Mitreden
Untersuchung fordert Systemumbau
Die Untersuchung fordert einen grundlegenden Umbau des Systems.
Unterstützung in Schule und Alltag soll sich stärker am konkreten Bedarf eines Kindes orientieren und nicht erst nach einer formalen Diagnose einsetzen.
Private Anbieter sollen zudem von der Care Quality Commission reguliert werden und Leistungen nicht direkt bei potenziellen Patienten bewerben dürfen.