Zugunglück in Spanien
Ermittler bergen Fahrdatenschreiber nach Zugunglück in Spanien
Nach dem schweren Zugunglück in Spanien mit Dutzenden Todesopfern wächst der Druck auf Behörden und die linke Regierung, die Ursache der Katastrophe aufzuklären.
17 Beiträge in der Diskussion 11 heute · 15 StimmenFahrdatenschreiber bei Guardia Civil
Die Aufzeichnungsgeräte befinden sich nun in den Händen der Guardia Civil, wie die unabhängige Behörde für die Untersuchung von Unfällen (AITAT) Medienberichten zufolge mitteilte.
Die Daten sollen demnächst ausgewertet werden.
Laut der Untersuchungsbehörde ereignete sich der Zusammenstoss bei einer Geschwindigkeit, die auf 160 bis 200 Kilometer pro Stunde geschätzt wird.
Die genaue Geschwindigkeit werde man erst nach Auswertung der Aufzeichnungen kennen.
LZB-System und Leitstelle im Fokus
Im Zentrum der Ermittlungen stehen der Ausfall des älteren Zugsicherungssystems LZB sowie mögliche Fehlentscheidungen der Bahnleitstelle in Madrid.
Medien veröffentlichten Mitschnitte des Funkverkehrs, denen zufolge der Lokführer eines Hochgeschwindigkeitszuges von einem Mitarbeiter der Bahnleitstelle angewiesen wurde, den «normalen Fahrbetrieb» wieder aufzunehmen, obwohl das automatische Zugsicherungssystem noch nicht wieder funktionierte und der andere Zug noch auf der Strecke stand.
Nach den Worten von Verkehrsminister Óscar Puente war die Kollision auf eine «unerklärliche» und «falsche» Entscheidung der Bahnleitstelle zurückzuführen.
Die Unglücksursache ist noch unklar, Puente deutete jedoch auf mögliches menschliches Versagen hin.
69 Tote, Verletzte in Spitälern
Die Zahl der Todesopfer ist auf 69 gestiegen.
Laut dem Präsidenten der Region Kastilien-La Mancha, Emiliano García-Page, gibt es bei 4 der insgesamt 15 Schwerverletzten der Kategorie «Rot» eine positive Entwicklung.
Nach jüngsten Angaben der Regionalregierung werden 53 Verletzte in Kastilien-La Mancha und weitere 98 in Madrid behandelt.
Kollision bei Urda
Bei dem Unglück am Mittwochmorgen kollidierten nahe der Gemeinde Urda in der Provinz Toledo, rund 130 Kilometer südlich von Madrid, zwei Hochgeschwindigkeitszüge.
Ein Zug der staatlichen Bahngesellschaft Renfe fuhr von hinten auf einen stehenden Zug des privaten Unternehmens Iryo auf.
Nach der zweiten schweren Bahnkatastrophe in Spanien mit Dutzenden Toten innerhalb von nur neun Monaten suchten die Einsatzkräfte weiter nach möglichen Opfern.
Aus der DiskussionEinfach nur Traurig 😢 Allen Angehörigen herzliches Beileid 🙏User #5407 14 mal zugestimmt Mitreden
Kräne und DNA-Proben im Einsatz
Mit Hilfe dreier grosser Kräne seien Rettungsteams auch die Nacht über im Einsatz gewesen, um nach möglichen weiteren Opfern in den zerstörten Waggons zu suchen.
Die Einsatzkräfte wollten mit drei Kränen zwei besonders schwer beschädigte Waggons anheben und schlossen nicht aus, dass sich in den Wracks weitere Opfer befinden.
DNA-Proben wurden in Madrid sowie in Toledo, Córdoba und Sevilla entnommen.
Überlebender schildert Chaos
Der britische Tourist Samy Paul sass im Renfe-Zug und sagte der Nachrichtenagentur AP, plötzlich sei alles auseinandergefallen.
Wagen eins und zwei seien weg gewesen, alles zertrümmert.
Überall war Blut.
Keine Angaben zu Schweizer Opfern
Das Schweizer Aussendepartement hat keine Informationen über mögliche Schweizer Opfer.
Die Vertretung des Bundes in Madrid steht in Kontakt mit den Behörden vor Ort.
Bundespräsident Guy Parmelin zeigte sich auf der Plattform X «zutiefst bestürzt», und auch die Bundesversammlung drückte im Namen von Nationalratspräsident Pierre-André Page und Ständeratspräsident Stefan Engler ihr Beileid aus.