Bildungsinitiative im Kanton Bern
Jungparteien reagieren mit Massnahmen auf Bildungs-Nein
Die Berner Bildungsinitiative scheiterte am Sonntag an der Urne mit 59,9 Prozent Nein-Stimmen und verlangte einen Verfassungsartikel zur Bildungsqualität.
238 Beiträge in der DiskussionJungparteien fordern liberale Lösungen
Nach dem Volks-Nein zur Bildungsinitiative wollen die Jungen Grünliberalen und die Jungfreisinnigen des Kantons Bern die Probleme im Bildungswesen mit liberalen Lösungen angehen.
Am Montag präsentierten sie einen gemeinsamen Massnahmenkatalog.
Weg zum Lehrdiplom und Qualifizierungsbudget
Einer der Kernpunkte betrifft Unterrichtende ohne Diplom.
Für sie fordern die Parteien einen praxisintegrierten Weg zum Lehrdiplom, bei dem Studium und Unterrichtstätigkeit verbindlich aufeinander abgestimmt werden.
Zudem verlangen sie ein personengebundenes «Qualifizierungsbudget»: Lehrpersonen ohne Diplom erhalten weniger Lohn, und ein Teil dieser Lohnersparnis soll künftig direkt in die Weiterbildung, Entlastung oder Ausbildungsunterstützung dieser Personen fliessen.
Das soll verhindern, dass Personen aus Spargründen möglichst lange ohne vollständige Qualifikation eingesetzt werden.
Entlastung und Open-Source-Materialien
Weiter verlangen die Jungparteien eine gezieltere Unterstützung beim Berufseinstieg, weniger administrative Aufgaben für das Schulpersonal sowie einen besseren Austausch von Unterrichtsmaterialien nach dem Open-Source-Prinzip.
Initiative deutlich abgelehnt
Die Berner Bildungsinitiative war am Sonntag deutlich gescheitert.
Die Stimmberechtigten verwarfen die Vorlage mit 59,9 Prozent Nein-Stimmen.
198'560 Stimmende legten ein Nein in die Urne, 132'785 hiessen die Vorlage gut.
Die Stimmbeteiligung betrug 45,3 Prozent.
Alle zehn Verwaltungskreise schickten das Begehren bachab.
Ja sagten nur die Städte Bern, Biel und Burgdorf sowie die Berner Vorortsgemeinde Bremgarten und einige bernjurassische Dörfer.
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Ziel und Gegner der Vorlage
Die Initiative hatte einen Verfassungsartikel zur Bildungsqualität verlangt und stammte von einem Komitee rund um den Berufsverband Bildung Bern.
Kanton und Gemeinden sollten demnach für eine Bildung «von flächendeckend hoher Qualität» sorgen und die dafür notwendigen Mittel zur Verfügung stellen.
Regierung, Parlament und mehrere Wirtschaftsverbände empfahlen die Initiative zur Ablehnung mit dem Argument, die Bildungsqualität sei bereits auf nationaler Ebene verankert.
Günthör wertet Nein als Absage
Die Mehrheit der Stimmenden folgte mit ihrem Nein der Empfehlung von Regierung und Parlament.
Das gegnerische Komitee zeigte sich erfreut.
Die Initiative habe zwar berechtigte Fragen aufgegriffen, aber keine überzeugenden Antworten geliefert.
Das Resultat sei kein Nein zu einer guten Schule, sondern ein Nein zu einer ungeeigneten Lösung, sagte Nadja Günthör, Präsidentin des Komitees und SVP-Grossrätin, in einer Medienmitteilung.
Komitee sieht Auftrag weiterbestehen
Das Unterstützungskomitee reagierte mit Bedauern auf das Nein.
Der Auftrag für Verbesserungen an den Schulen bleibe allerdings bestehen, hiess es in einer Medienmitteilung des parteiunabhängigen Komitees.
Da sich auch die Gegenseite im Abstimmungskampf zu den Zielen der Initiative bekannt habe, gelte es nun, diese auf gesetzlicher Ebene anzugehen, sagte Stefan Wittwer, Geschäftsführer des Berufsverbands Bildung Bern.
Zu den zentralen Herausforderungen zählten genügend qualifizierte Lehr- und Fachpersonen sowie die Sicherung einer hohen Bildungsqualität im gesamten Kanton.