Sturzflut im Himalaya
Zahl der Toten in Nepal steigt auf 1'127
Eine Woche nach der verheerenden Sturzflut im Himalaya, die als Folge eines Gletscherabbruchs Nepal und Tibet traf, steigt die Opferzahl weiter an.
100 Beiträge in der Diskussion 6 heute · 76 StimmenZahl der Toten steigt
Eine Woche nach der Sturzflut im Himalaya ist die Zahl der Todesopfer in Nepal auf 1'127 gestiegen.
Von den bisher geborgenen Leichen konnten bis zum Mittwochmorgen (Ortszeit) lediglich 95 an betroffene Familien übergeben werden.
China hatte zuletzt von 16 Opfern auf der tibetischen Seite berichtet.
Die Zahl der Todesopfer allein in Nepal hatte am Dienstag die Schwelle von 1'000 überschritten, die Zahl der Vermissten wurde mit mehr als 4'600 Menschen beziffert.
Identifizierung per DNA-Analyse
Das ganze Ausmass der Katastrophe war weiterhin unklar.
Der Grossteil der Leichen konnte bisher nicht identifiziert werden.
Oft werden nach Behördenangaben nur Knochenfragmente oder andere Leichenteile geborgen.
Alle geborgenen sterblichen Überreste könnten demnach jedoch per DNA-Analyse identifiziert werden, was den Familien möglicherweise später bei ihren Bestattungsriten hilft.
Gletscherabbruch als Auslöser
Als Auslöser der Sturzflut gilt ein Abbruch grosser Mengen an Gletschereis und Felsgestein im Himalaya auf der tibetischen Seite.
Die Massen spülten Wasser, Eis, Schlamm und Geröll ein Flussbett hinab und rissen Häuser und Brücken mit, Gebäude liegen nun meterhoch unter Schlamm.
Arbeiter in Kraftwerken vermisst
Die Flutwelle traf laut dem Verband unabhängiger Stromerzeuger Nepals zwölf im Betrieb oder im Bau befindliche Wasserkraftprojekte.
Nepal verstärkte die Suche nach hunderten vermissten Arbeitern, von denen viele in den Tunnelsystemen verwüsteter Wasserkraftanlagen vermutet werden.
Nicht erreichbar waren 897 Beschäftigte.
Allein vom Wasserkraftwerk Upper Trishuli-1 in Rasuwa werden 576 Arbeiter vermisst.
Die Anlagen befinden sich in den Bezirken Rasuwa und Nuwakot in der an der Grenze zu Tibet liegenden Provinz Bagmati.
Aus der DiskussionEs ist eine sehr grosse Katastrophe was in Nepal und Tibet passiert ist. Schrecklich. Man kann es gar nicht in Worte fassen.....User #3434 25 mal zugestimmt Mitreden
WHO warnt vor Seuchengefahr
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) warnte vor Seuchengefahr in den betroffenen Gebieten.
Viele Vertriebene auf engem Raum, Überschwemmungen und stehendes Wasser erhöhten das Risiko, dass sich ansteckende Krankheiten ausbreiten.
Die Vereinten Nationen haben nach eigenen Angaben bereits Material nach Nepal gebracht, darunter Trinkwasser, Nahrungsmittel, Zelte, Nottoiletten, Medikamente, Impfstoffe und Schutzkleidung.
Vier Gesundheitseinrichtungen seien völlig zerstört und zwei beschädigt worden, zwei Kliniken seien nicht mehr erreichbar.
Save the Children über Hygiene
Die Hilfsorganisation Save the Children berichtete von katastrophalen hygienischen Bedingungen im Unglücksgebiet und von zahlreichen Leichensäcken entlang der Strasse von Kathmandu in die weitgehend zerstörte Stadt Trishuli Bazar.
Viele Wasserquellen seien verunreinigt, so dass es den Menschen an sauberem Trink- und Waschwasser fehle.
Tara Chettry, Länderdirektorin von Save the Children in Nepal, warnte, dass überfüllte Räume, verunreinigtes Wasser und schlechte sanitäre Verhältnisse ideale Bedingungen für Krankheitsausbrüche schaffen, die Kindern schwer schaden können.
Zensurvorwürfe gegen China
Menschenrechtsorganisationen kritisierten die Informationslage rund um die Katastrophe in Chinas autonomer Region Tibet.
Human Rights Watch verwies auf Berichte, wonach Journalisten in China der Zutritt zum Katastrophengebiet sowie Interviews mit betroffenen Familien untersagt worden seien.
Ausländische Journalisten benötigen für eine Einreise nach Tibet schon seit Jahren eine Sondergenehmigung.
China wies den Vorwurf der Zensur zurück.