Westjordanland bei Hebron
Autonomiebehörde fordert Eingreifen nach Armeeeinsatz
Nach einem tödlichen Angriff bei Hebron hat Israel eine Anti-Terror-Operation im Westjordanland gestartet, die laut Militär mehrere Tage dauern soll.
63 Beiträge in der Diskussion 23 heute · 35 StimmenAutonomiebehörde fordert Eingreifen
Die palästinensische Autonomiebehörde ruft die internationale Gemeinschaft auf, wegen des Vorgehens israelischer Sicherheitskräfte im besetzten Westjordanland einzugreifen.
Nach ihren Angaben stellen die Massnahmen im Raum Hebron – darunter die Vertreibung von Anwohnern, der Abriss von Häusern und Gebäuden sowie die Abriegelung von Städten – eine Kollektivstrafe dar.
Diese Eskalation werde niemandem Sicherheit oder Frieden bringen, sondern nur weitere Spannungen schüren, hiess es.
Tödlicher Angriff bei Hebron
Am Freitagmorgen hatte es einen Angriff mit Schusswaffen in der Nähe von Hebron gegeben.
Dabei wurden israelischen Militärangaben zufolge zwei Soldaten getötet und drei weitere verletzt.
Die zwei mutmasslich palästinensischen Täter aus Hebron wurden getötet.
Der israelische Rettungsdienst Magen David Adom teilte am Morgen mit, insgesamt seien fünf Menschen verletzt worden, zwei davon in kritischem Zustand.
Israel startet Anti-Terror-Operation
Als Reaktion auf den Angriff begann Israel nach eigenen Angaben am Freitag eine Anti-Terror-Operation im Raum Hebron.
Laut einer gemeinsamen Erklärung der israelischen Armee und des Inlandgeheimdiensts Schin Bet auf Telegram begannen die Kräfte, das Gebiet gezielt, präzise und umfassend zu durchsuchen, um Terrorinfrastruktur und Waffen ausfindig zu machen und zu beseitigen.
Die Operation von Armee, Geheimdienst, Grenzpolizei und Zivilverwaltung ist nach Militärangaben auf das Gebiet beschränkt, aus dem die Terroristen operierten, und werde voraussichtlich mehrere Tage dauern.
Netanjahu ordnet Abriegelung an
Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hatte Israels Sicherheitskräfte nach Angaben seines Büros angewiesen, sich auf die Abriegelung des gesamten Westjordanlands vorzubereiten, womit das Schliessen aller Übergänge gemeint ist.
Nach einer Lagebesprechung unter anderem mit Verteidigungsminister Israel Katz und Generalstabschef Ejal Zamir habe Netanjahu bereits die Abriegelung der Stadt Hebron angewiesen.
Die Sicherheitskräfte hätten einen schweren Anschlag verhindert, sagte er; die Einsatzkräfte führten umfangreiche Verhaftungswellen durch.
Ob die beiden mutmasslichen Täter Mitglieder der Hamas waren, war zunächst unklar.
Wahl prägt Sicherheitsdebatte
Israel wählt am Dienstag ein neues Parlament.
Sicherheitsfragen und das Vorgehen im Westjordanland bilden zentrale Themen des Wahlkampfes.
Während rechte Parteien mit Forderungen nach einem harten Vorgehen gegen palästinensische Gewalt um Stimmen werben, thematisieren sie Übergriffe radikaler israelischer Siedler auf die palästinensische Zivilbevölkerung im Wahlkampf kaum.
Aus der DiskussionDiese Menschen leben dort schon länger als es den Staat IL gibt.User #1870 29 mal zugestimmt Mitreden
Mehr als 1'100 Tote seit
Die Lage im besetzten Westjordanland hat sich seit dem Hamas-Massaker vom 7. Oktober 2023 und dem dadurch ausgelösten Gaza-Krieg weiter verschärft.
Nach Angaben des palästinensischen Gesundheitsministeriums wurden dort seitdem mehr als 1'100 Palästinenser bei israelischen Militäreinsätzen, bewaffneten Auseinandersetzungen und Anschlägen getötet.
Auch die Gewalt radikaler israelischer Siedler gegen Palästinenser hat deutlich zugenommen.